Schweres Gerät

In jedem guten Haushalt gibt es eine Werkzeugkiste. Das THW besitzt eine auf Rädern: den Gerätekraftwagen (GKW). Etwa 16 Tonnen bringt das Fahrzeug auf die Waage, um Schraubenzieher, Zange und Hammer an die Einsatzstelle zu bringen. Beim THW Elmshorn stehen zwei GKW auf dem Hof. Doch nicht nur handelsübliches Kleinwerkzeug verbirgt sich im Gerätekoffer im hinteren Teil eines GKW, besonders der GKW 1 der Bergungsgruppe ist mit schwerem Gerät ausgestattet. Der GKW 2 der Fachgruppe N ist mit schweren elektrischen Gerät ausgestattet.

Schere und Spreizer

Mit den hydraulischen Rettungsgeräten Schere und Spreizer werden verschüttete oder eingeklemmte Personen befreit.

Mit dem Hydraulikspreizer werden beispielsweise Trümmerteile angehoben oder Autotüren aufgedrückt. Die Hydraulikschere wiederum dient zum Durchtrennen von Metallteilen. Angetrieben werden die beiden Geräte durch Aggregate mit Elektro- oder Benzinmotor.

Je nach Modell können mit den Spreizern des THW Lasten mit einem Gewicht von bis zu 13 Tonnen präzise gehoben und auseinander gedrückt, in geringerem Maße auch gezogen und zusammengedrückt werden. Durch das Aggregat wird das Gerät mit Hydrauliköl versorgt, welches einen Kolben entweder nach oben oder nach unten schiebt. Durch eine je nach Hersteller unterschiedliche Bedieneinrichtung bestimmt der Helfer mit einer Hand die Richtung des Ölflusses und damit des Kolbens. Die andere Hand hält das Gerät; bei einem Gewicht von rund 20 Kilogramm ist das keine leichte Aufgabe. Die Spreizarme bestehen aus einer Aluminium-Legierung oder aus Werkzeugstahl. Mit ihnen lassen sich Betonplatten bis zu 70 Zentimeter auseinander bewegen – genug Platz um einen Menschen hindurchzuziehen.

Die Hydraulikscheren des THW durchtrennen zum Beispiel Türfassungen, Seile sowie Rohre aus Metall. Stahl lässt sich bis zu einem Durchmesser von 22 Millimetern schneiden. Dies ist vor allem bei Stahlbeton zum Durchtrennen der eingebetteten Armierungen wichtig. Im Gegensatz zur Feuerwehr benötigt das THW seine Rettungsgeräte in der Regel nicht bei Verkehrsunfällen, sondern bei der Rettung von Verschütteten aus Trümmern.

Monika Siebenbach/Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

 

Trennschleifer

Trennschleifer sind nicht nur beim THW oder im Metallbaubereich bekannt. Jeder Handwerker hat bereits mit dem, im Alltag oft „Flex“ genannten Gerät, gearbeitet. Der Trennschleifer wird von Hand geführt und kann die härtesten Materialien zerschneiden.

Geschnitten wird mit einer schnell rotierenden Scheibe, die in der Regel von einem elektrischen Motor angetrieben wird. Die erforderliche Stromspannung beläuft sich auf die haushaltsüblichen 230 Volt. Befinden sich die Helfer aber in unwegsamen Gelände oder haben sie keine direkte Stromquelle zur Verfügung, können sie gegebenenfalls auf einen benzinbetriebenen Trennschleifer zurückgreifen.

Während der Nutzung des Trennschleifers arbeitet die Schneidscheibe je nach Gerätetyp mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20.000 Umdrehungen pro Minute.
Um zu vermeiden, dass das Werkzeug bei der hohen mechanischen Belastung zerbirst, ist die Scheibe durch Gewebeeinlagen verstärkt. Eine elastische Kunstharzbindung verleiht ihr zudem eine gewisse Flexibilität. Durch diese Eigenschaften ist es möglich, je nach Zusammensetzung der Scheiben Metall, Stein, Beton und Keramik relativ einfach und schnell zu zerschneiden.

Natürlich müssen sich die Helfer bei der Arbeit mit der Maschine schützen. Da bei der Nutzung des Trennschleifers oft Funken fliegen, ist es wichtig eine Schutzbrille, eine Lederschürze, schwer entflammbare Kleidung sowie Sicherheitshandschuhe zu tragen. Sicherheitsschuhe verhindern, dass der Nutzer durch herunterfallende Materialien verletzt wird. Auch ein Gehörschutz sollte getragen werden, da der Lärmpegel deutlich steigen kann, wenn die Schneidscheibe auf Stahl und Co. trifft.

Bastian Hofsümmer/Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

 

Brennschneidegerät

Oft müssen THW-Einsatzkräfte Stahlträger oder Eisenbahnschienen durchtrennen. Bevor sie das Metall aber zerschneiden können, muss es Temperaturen von über 1000 Grad Celsius erreichen. Beim Brennschneidegerät geschieht dies mit einer Heizflamme aus Acetylen und Sauerstoff. Sobald der Werkstoff erhitzt ist, bläst 99-prozentig reiner Sauerstoff, sogenannter Schneidsauerstoff, unter Druck mittig durch die Heizflamme. Trifft der dünne Sauerstoffstrahl auf das Metall, verbrennt und durchtrennt er es. Asche oder nicht verbrannte Rückstände bläst der Sauerstoff nach hinten aus. Durch Hitze und Funkenflug herrscht erhöhte Brandgefahr, die Vorkehrungen wie zum Beispiel Sicherheitskleidung erfordert.

Wenn der Anwender schweißen statt schneiden will, schaltet er den Schneidsauerstoff ab und verflüssigt das Metall anstatt es zu verbrennen. THW-Einsatzkräfte können hierdurch beispielsweise zwei Rohre für eine Wasserversorgung zusammenfügen.

Das Griffstück des Brennschneidegeräts ist über Schläuche mit zwei Gasflaschen verbunden. Um Verwechslungen zu vermeiden, ist der Acetylen-Schlauch rot, der Sauerstoff-Schlauch blau gefärbt. Sie treffen in einem Mischrohr aufeinander, dass sich im Griffstück befindet. Mit Ventilen reguliert der Anwender Heizflamme und Schneidsauerstoffzufuhr, die aus einer Düse am Griffstück austreten. Die Düsen sind austauschbar, da die Dicke der Werkstücke unterschiedliche Öffnungen an der Düse erfordert.

Das Brennschneidegerät ist auf einem tragbaren Gestell verstaut und somit gut zu transportieren. Brennschneidegeräte sind komplett auf dem Gerüst montierbar, was den THW-Einsatzkräften wertvolle Zeit erspart, sollten sie erneut Stahlträger oder Eisenbahnschienen zerschneiden müssen.

Dirk Vos/Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

 

Bohr- und Aufbrechhämmer

Bohr- und Aufbrechhämmer können Wände durchbrechen, Trümmer zerteilen oder Betonflächen durchtrennen.

Von außen betrachtet sehen sie wie Bohrmaschinen aus – Bohr- bzw. Aufbrechhämmer sind allerdings stets mit einem pneumatischen Schlagwerk ausgestattet, welches aus Antriebslager, Kolben, Schläger und Schlagbolzen besteht.

Angetrieben werden diese Geräte mit Strom, Druckluft oder Hydrauliköl. Die Rotationsbewegung des Motors wird in eine Hubbewegung des Kolbens im Schlagwerk umgesetzt. Bei der Vorwärtsbewegung des Kolbens wird der Schläger durch den entstandenen Überdruck nach vorne beschleunigt. Beim Auftreffen auf den Schlagbolzen gibt der Kolben seine Bewegungsenergie ab. Dabei entwickelt der Schlagimpuls eine große Kraft. Durch den starken Schlagimpuls des Bohrers oder Meißels werden Materialien wie Beton und Stein zermürbt. Ein 7-Kilo-Bohrhammer gibt pro Minute 2.200 Schläge ab, je nach Bedarf auch mehr.

Wenn keine Druckluft zur Verfügung steht, werden elektrische Bohrhämmer eingesetzt. Sie können je nach Leistung bis zu 15 Kilogramm wiegen, pneumatisch angetriebene bis zu 20 Kilogramm. Hydraulische Bohrhämmer werden im THW nicht eingesetzt.

Der Schlagbolzen überträgt nicht nur den Impuls, sondern er schützt auch das Innere der Maschine mit Hilfe eines Dichtrings gegen Staub und Schmutz. Bohrhämmer sind zudem mit einer Sicherheitskupplung ausgestattet, um die Mechanik beim Blockieren des Bohrers zu schonen und den Anwender zu schützen.

Bei der Arbeit mit Bohrhämmern entsteht ein hoher Schallpegel und damit großer Lärm. Die Helfer müssen sich aber nicht nur vor dem Lärm schützen, sondern bei einem Einsatz stets ein Visier zum Schutz vor Staub und Splittern tragen.

Miriam Birkel/Hochschule Bonn-Rhein-Sieg