Bewegen und Heben von Lasten

Das THW als schwere Bergung im Zivil- und Katastrophenschutz hat als eine der Kernaufgaben die Rettung von Menschen aus Trümmern. Zum Bewegen und Heben von Lasten hält das THW in jedem Ortsverband unabhängig von der Fachgruppe Schwere Bergung (FGr. SB) Material vor. In unserem Ortsverband ist dieses Material auf den Fahrzeugen der Bergungsgruppe und der Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung zu finden, dazu gehören unsere drei Mehrzweckzüge (16 kN), der Hydraulikheber (30t) und die vier Hebekissen (2x 18t, 2x 40t).

 

Mehrzweckzug

Mit dem Mehrzweckzug können größere Lasten gezogen, gehoben, abgesenkt oder gesichert werden. Das THW nutzt in der Regel Mehrzweckzüge mit einer Zugkraft von 16 oder 32 Kilonewton (kN). Zehn Kilonewton entsprechen in etwa einer Tonne, damit lässt sich mit einem 16kN Mehrzweckzug beispielsweise ein Kleinwagen anheben. Zusätzlich wird meist ein Sicherheitsfaktor von fünf angegeben. Das heißt, der Mehrzweckzug und das Metallseil sollten mindestens das Fünffache des zu tragenden Gewichts halten können.

Das Gerät ist etwa so groß wie ein Werkzeugkoffer und kann von einer einzigen Person bedient werden. Es ist äußerst mobil, weil es rein mechanisch funktioniert und folglich keine Stromversorgung benötigt. Zusätzlich braucht man ein spezielles Stahlseil mit einem Haken oder Bolzen am Ende. An der Oberseite des Geräts gibt es zwei kurze Bedienhebel. Je nachdem, ob das Seil abgelassen oder eingezogen werden soll, wird auf einen der Hebel ein etwa ein Meter langes Hebelrohr gesetzt. Durch gleichmäßiges Hin- und Herschieben des Hebels wird das Seil bewegt. Die Kraft wird verstärkt, sodass eine einzelne Einsatzkraft schwere Lasten bewegen kann.

Den gleichzeitigen Transport und die Sicherung des Seils im Mehrzweckzug ermöglichen die zwei sogenannten Klemmbackenpaare. Dieser Vorgang geschieht vollmechanisch. Je schwerer die zu bewegende Last ist, desto fester greifen die Klemmbacken zu – das Seil kann also nicht durchrutschen. Sollte eine Last die Zugkraft wesentlich überschreiten, werden ein oder mehrere Sicherheitsstifte in der Transportmechanik abgeschert. Diese Metallbolzen können erst wieder ausgetauscht werden, wenn der Mehrzweckzug entlastet wurde. Das Seil wird jedoch weiterhin sicher zwischen den Klemmbacken gehalten.

Anders als bei Seilwinden, die an den Einsatzfahrzeugen angebracht sind, kann der Mehrzweckzug aus jeder Position eingesetzt werden. Er wird mit einem Haken an stabilen Objekten wie Wänden, Decken oder Bäumen befestigt. Sollte solch ein Festpunkt nicht verfügbar sein, kann man ihn auch mit sogenannten Erdnägeln im Boden verankern.

Marcus Berinski/Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

 

Hydraulikheber

Der Hydraulikheber ist ein Gerätesatz, der aus einer handbetriebenen Pumpe, einem Verteilerventil und zwei Hydropressen besteht. Der gesamte Satz wiegt zusammen gerechnet weit über 50 Kilogramm. Um den Hydraulikheber zum Einsatz zu bringen, wird die Pumpe mit einem Schlauch an eine Hydropresse angeschlossen, den eigentlichen Lastenträger. Die Hydropresse ist zylinderförmig und etwa 30 Zentimeter hoch. Sie wird auf einer Fußplatte montiert und dann unter den zu hebenden Gegenstand gestellt.

Beim Betätigen der Pumpe wird Öl durch den Schlauch in die Hydropresse gedrückt und dadurch ein Kolben ausgefahren. Dieser kann die Last bis zu 15 Zentimeter nach oben drücken. Bei Bedarf kann die zweite Hydropresse angeschlossen werden. Dabei kommt das Verteilerventil zum Einsatz, das das Öl auf beide Heber aufteilt. Die Leistung verdoppelt sich dann auf 30 Tonnen.

Dass trotz des geringen Kraftaufwands an der Pumpe eine so große Kraft zum Heben der Lasten entsteht, hängt wesentlich mit den unterschiedlichen Durchmessern von Handpumpenkolben und Hubkolben zusammen. Die Handpumpe baut einen hohen Druck auf. Dieser wirkt auch auf den Kolben in der Hydropresse, denn der Druck im System ist an jedem Punkt gleich. Nach diesem Prinzip funktionieren zum Beispiel auch hydraulische Wagenheber, wie sie in vielen Autowerkstätten zu finden sind.

Ventile an der Pumpe und der Hydropresse verhindern, dass das Öl zurückfließt. Zum Absenken des Zylinders werden die Ventile einfach per Hand geöffnet und das Öl fließt zurück in den Behälter der Pumpe.

Julia Ockenga/Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

 

Hebekissen

Das Hebekissen funktioniert im Prinzip wie ein Luftballon: Im ungefüllten Zustand ist es nur wenige Zentimeter dick und sehr handlich. Es kann leicht unter Lasten wie beispielsweise Trümmer geschoben werden. Anschließend wird das Kissen aus reißfesten Kunstfasern und Gummiummantelung mit Druckluft langsam aufgepumpt. Während des Aufpumpens müssen die THW-Einsatzkräfte die Last permanent sichern, um zu verhindern, dass sie seitlich wegrutscht.

Das THW hält verschiedene Hebekissen mit unterschiedlichen Traglasten und Hubhöhen vor. Hierbei ist die Hubhöhe immer von der Last abhängig. Beispielsweise können Lasten von bis zu 30 Tonnen mit einem Hebekissen um 5 Zentimeter angehoben werden – Zentimeter, die für einen Verschütteten die Rettung bedeuten können. 30 Tonnen entsprechen etwa dem Gewicht eines voll beladenen LKW. Auf dem Kissen verteilt sich das Gewicht gleichmäßig auf einer zirka schreibtischgroßen Fläche. Bei unebenem Boden oder flächigen Lasten setzt das THW zwei Hebekissen gleichzeitig an. Mit einem Doppelsteuergerät, einer Steuerung mit zwei Schalthebeln, kann die Luftzufuhr beider Kissen unabhängig voneinander und dennoch von einer Person reguliert werden. So können die Lasten zentimetergenau ausbalanciert werden. Dies ist besonders wichtig bei schwierigen Lagen wie einer Rettung aus ineinander verkeilten Trümmern.

Ein Hebekissen ist aus reißfesten Kunstfasern gefertigt und passt sich sowohl den Konturen des Untergrundes als auch der Last an. Eine Beschichtung aus synthetischem Kautschuk schützt es vor einer Beschädigung durch Öle und Säuren, die an Unfallstellen auslaufen können. Wird ein Hebekissen im Einsatz doch beschädigt, können Risse bis zu vier Zentimetern, wie bei einem Fahrradschlauch, mit einem Flicken repariert werden.